«Bei uns ist der Wisent willkommen»: Als erste Gemeinde nimmt Welschenrohr Stellung zum Projekt

 
Der Gemeinderat Welschenrohr sprach sich für das Wisentprojekt aus. Die Landwirte in der Region können sich damit nicht anfreunden.

 
Fränzi Zwahlen-Saner

Über das Wiederansiedlungsprojekt von Wisenten im Thal wurde schon viel geschrieben und diskutiert. Doch noch nie wurde von einer der Thaler Gemeinden offiziell dazu Stellung bezogen. Das wollte nun der Gemeindepräsident der «Wisent-Standortgemeinde» Welschenrohr, Stefan Schneider, nachholen.

Als erster Gemeinderat sollte der Welschenrohrer Rat in einer konsultativen Abstimmung seine Meinung bekanntmachen. Jedes der acht anwesenden Mitglieder gab seine Haltung zum Projekt bekannt. Man sei enttäuscht von der Solothurner Regierung, begann der Gemeindepräsident, die lediglich die negativen Aspekte des Projektes in ihren Antworten auf die Interpellation von Beat Künzli (SVP, Laupersdorf), hervorhob.

Es sei ein interessantes Projekt, besonders für Welschenrohr, so Schneider. «Ein Meilenstein für die Region». Er sehe für die Anfangsphase, bei welcher die Tiere in einem eingezäunten Gehege gehalten würden, kein Problem, «und wenn es später Probleme gibt, kann man das Projekt jederzeit stoppen.»

«Zudem kostet es den Steuerzahler keinen Rappen», doppelte Beat Allemann nach, obwohl er selbst auch nicht ganz sicher sei, ob dann die zweite Phase des Projektes, die Auswilderung, unproblematisch sei. Dennoch fände er es schade, das Projekt bereits zum jetzigen Zeitpunkt zu stoppen.

Ein blauäugiges Projekt?
Als resolute Gegnerin des Projekts sprach sich Anna Béguelin aus. «Als direkt betroffene Landwirtin kann ich mich nicht damit anfreunden.» Sie frage sich, ob das Projekt wirklich den Tourismus in der Region ankurbeln würde. «Was geschieht mit den Wanderwegen, die durch das Gebiet führen? Woher nehmen die Tiere ihr Wasser? Ich finde das Projekt sehr blauäugig.»

Diese Tiere hätten heute einfach keinen Platz mehr. Erörtert wurde der Unterschied zwischen Ausrotten und Aussterben von Tierarten, denn der Regierungsrat argumentierte, ausgestorbene Tiere sollten «von alleine» wieder einwandern. «Was ist denn mit dem Luchs? Den haben wir auch wieder angesiedelt; der ist nicht eingewandert.»

Generell vermisst der Welschenrohrer Gemeinderat eine offizielle Haltung zum Wisent-Projekt vonseiten des Naturpark Thal. Schliesslich wurde abgestimmt und es zeigte sich, dass der Welschenrohrer Gemeinderat mit 6 zu 2 Stimmen für das Wisent-Projekt ist.

Als weiteres Traktandum sorgte das vom Kanton ab 2018 geforderte Projekt «Start. Integration» für alle Solothurner Gemeinden für Gesprächsstoff. Allerdings nicht das Projekt an sich, welches unbestritten ist. Es ging im Rat um die regionale Zusammenarbeit diesbezüglich im Thal. Es war die Idee von Welschenrohr gewesen, die vom Kanton geforderten Massnahmen für die Thaler Gemeinden regional zu erarbeiten.

Dazu habe man ja den Verein Region Thal, der das nun vorgelegte Vertragswerk auch ausgearbeitet hat. Bekanntlich hat sich aber Balsthal, welches schon als Pilotgemeinde des Kantons ein Integrationsprogramm in Kraft gesetzt hatte, der regionalen Einbindung verweigert. Momentan seien alle Gemeinden ausser Balsthal dabei, so Schneider.

Matzendorf habe nach anfänglichem Nein nun zugesagt und auch Herbetswil wolle nochmals über seine zunächst abschlägige Haltung nachdenken. Das Vertragswerk wurde vom Gemeinderat Welschenrohr diskussionslos genehmigt und wird nun via Mümliswil als regionaler Vertrag zuhanden des Kantons zur Genehmigung vorgelegt.

Kein Verständnis für Balsthal
Im Rat wurde heftige Kritik an Balsthal laut. Es sei doch widersinnig, dass sich Balsthal nicht am regionalen Vertrag beteilige. Wozu habe man sonst einen Verein Region Thal. Er sei doch da, genau solche Themen gemeinsam zu lösen. Zudem sei es derzeit politisch sehr unklug von Balsthal, nicht mitzumachen, meinten einige Räte.

Gerade jetzt, wo in Balsthal Stimmen laut würden, die anderen Thaler Gemeinden sollten sich finanziell an der geplanten Verkehrsanbindung Thal beteiligen. Da werde von regionaler Solidarität gesprochen und beim ersten konkreten Projekt werde diese gleich torpediert.

(AZ Solothurner Zeitung)