Rat ist nun doch für die Raiffeisen-Fusion

 
Eine Delegation der Raiffeisenbank Dünnerntal bewegte den Gemeinderat Welschenrohr zu einer Kehrtwende. Jetzt spricht er sich doch für eine Fusion mit der Raiffeisenbank Mümliswil-Ramiswil und Holderbank aus.

 
Erwin von Arb

Noch vor rund zwei Wochen sprach sich der Gemeinderat Welschenrohr vehement gegen die geplante Fusion der Raiffeisenbank Dünnerntal mit der Raiffeisenbank Mümliswil-Ramiswil und Holderbank aus. Er wandte sich sogar mit einem offenen Brief an Raiffeisen Schweiz in St. Gallen und kündigte an, dass er die Genossenschafter dazu aufrufen werde, gegen diese Fusion zu stimmen (wir berichteten).

An seiner letzten Sitzung hat der Rat eine unerwartete Kehrtwendung vollzogen. Er unterstützt nun die Fusion und will dies auch an der am 1. April stattfindenden Generalversammlung der Raiffeisenbank Dünnerntal den Genossenschaftern empfehlen. Den Sinneswandel des  Gemeinderates herbeigeführt hat eine Delegation der Raiffeisenbank, die unter der Leitung von Verwaltungsratspräsidentin Cornelia Dippon die Gründe für die geplante Fusion darlegte.

Erwähnt wurden insbesondere die Auflagen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), welche neben der personellen Trennung von Administration und Beratung auch eine gewisse Grösse der Bank vorschreibe. Als kleinste Raiffeisenbank im Kanton könne die Raiffeisenbank Dünnerntal diese Vorgaben im Alleingang nicht bewältigen.

«Auch für Welschenrohr wichtig»
Falls die personellen Ressourcen sowie die geschäftlichen Bereiche der beiden Banken zusammengelegt würden, könnte die Vorgaben der Finma nahezu erfüllt werden. Bei der Raiffeisenbank Mümliswil-Ramiswil und Holderbank sind 13 Personen tätig, bei der Raiffeisenbank Dünnerntal deren 10. Zusammen würden die zwei Banken über eine Bilanzsumme von 441 Millionen Franken verfügen und 4500 Genossenschafter zählen.

Dippon warb für die Fusion mit dem Argument, dass diese jetzt noch aus der Position der Stärke und aus eigenem Antrieb erfolgen könne. Wenn die Fusion scheitere, schwäche das die beiden Banken und damit deren Position für den 2020 geplanten Zusammenschluss mit der Raiffeisenbank Balsthal. Deshalb sei die nun anstehende Fusion auch für Welschenrohr wichtig. Damit werde dieser Standort aufgewertet, auch wenn der Sitz der Geschäftsleitung nach der Fusion nach Mümliswil verlegt werde.

Eine langfristige Garantie für den Erhalt der Geschäftsstelle Welschenrohr könne sie aber nicht abgeben. «Mit der geplanten Fusion hat das nichts zu tun, sondern vielmehr mit der weiteren Entwicklung in der Bankenwelt», so Dippon. Kaum mehr rentabel betrieben werden können übrigens Bancomaten. Diese verursachen je Exemplar jährliche Kosten von 50 000 Franken. Raiffeisen will aber an dieser Dienstleistung weiter festhalten, wie dazu bemerkt wurde.

Der von Raiffeisen Schweiz zur Sitzung angereiste Vertreter erwähnte in diesem Zusammenhang, dass gegenüber früher 60 bis 75 Prozent der Kunden nicht mehr am Schalter, sondern am Computer ihre Bankgeschäfte erledigen. Deshalb müsse sich Raiffeisen wie andere Banken auch über die Anzahl der Geschäftsstellen Gedanken machen.

Emotional geprägte Reaktion
Die von Raiffeisen Schweiz publik gemachten Pläne, von ihren insgesamt 1000 Geschäftsstellen deren 250 zu schliessen, waren es auch, welche den Gemeinderat dazu bewegt hatten, sich energisch gegen die Fusion auszusprechen. Man habe befürchtet, dass die Schliessung der Geschäftsstelle Welschenrohr nach der Fusion nur noch eine Frage der Zeit sei, wurde im Rat ausgeführt.

Nach dem Vortrag durch die Raiffeisendelegation überwog im Gemeinderat die Meinung, dass die Fusion der Raiffeisenbank Dünnerntal mit den Raiffeisenbanken Mümliswil-Ramiswil und Holderbank eine gute Sache sei. Einige Ratmitglieder bedauerten, dass sich die Bankleitung nicht von Beginn weg an den Gemeinderat gewandt habe. «Dann hätten wir so wie jetzt nachvollziehen können, worum es eigentlich geht», meinte ein Gemeinderat mit Verweis auf den Informationsabend der Raiffeisenbank.

Dieser sei terminlich nicht für alle Räte optimal gewesen. Die heftige Reaktion des Gemeinderates wurde auch mit dessen Absicht begründet, sich für das Dorf und die Bevölkerung einzusetzen. Schliesslich soll in naher Zukunft auch die Poststelle schliessen und als Agentur in den Volg-Laden zügeln. «Da können wir doch nicht auch noch die sich abzeichnende Schliessung der Bank einfach so hinnehmen», so ein Gemeinderat. Das Gremium sprach sich schliesslich trotz kritischer Voten mit 7 Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen deutlich für die Fusion aus.

(az Solothurner Zeitung)