Die Tunnelschliessung kommt im Thal schlecht an

 
Die Bevölkerung im Thal bekundet mit einem Grossaufmarsch ihren Unmut über die Pläne des Bundes, den Weissensteintunnel zu schliessen.

 
Lucien Rahm

Der Kanton stellte am Mittwoch die von ihm in Auftrag gegebene «Vertiefte Studie Weissensteintunnel» in Welschenrohr vor.
Offene Fragen zur vom Bund geplanten Schliessung des Tunnels auf der Strecke Solothurn-Moutier sollten dadurch geklärt werden. Einige der rund 130 Besucherinnen und Besucher der Informationsveranstaltung - darunter auch solche aus Nachbargemeinden und dem Kanton Jura - hakten in der anschliessenden Diskussion nach.

Was kostet wie viel?
Wie bereits am Infoanlass, der am Vorabend in Lommiswil stattfand, wurden auch in Welschenrohr wieder die Gründe für die Höhe der Sanierungssumme hinterfragt. Die Rede ist von 170 Millionen Franken, wobei die Studie gar von Gesamtkosten von rund 300 Millionen Franken ausgeht, will man den Tunnel weitere 50 Jahre lang betreiben. Diese neue Investitionshöhe sorgte für Verwirrung: «Von was reden wir jetzt eigentlich?», forderte ein Besucher mehr Klarheit.

Studienmitautor Matthias Lebküchner klärte auf: Nicht nur die Kosten für die Tunnelsanierung seien bei den 300 Millionen Franken inbegriffen, sondern auch alle anderen anfallenden Kosten, die nebst dem Sanierungsbetrag von 170 Millionen anfielen. Dazu zählten laufende Investitionen in den Unterhalt oder jene in den behindertengerechten Ausbau der Bahnstationen, die bei einer Nichtschliessung des Tunnels irgendwann anfallen würden. So komme man korrekterweise auf diesen Betrag.

Derselbe Besucher störte sich an der Ungenauigkeit der angegebenen Kosten, bei denen von einer möglichen Abweichung von plus oder minus 30 Prozent ausgegangen wird. «Das ist absolut Usus», antwortete Lebküchner. Auch bei der Entscheidung über die zweite Gotthardröhre hätten nicht genauere Kostenprognosen zur Verfügung gestanden.

In leicht gereiztem Ton wollte ein weiterer Anwesender wissen, wie sich diese Kosten zusammensetzten. Zwischen Tunnelsanierungssummen aus dem In- und Ausland und den für den Weissensteintunnel prognostizierten Kosten lägen Welten. «Irgendwo stimmt es für mich nicht», so der Votant. Landammann Roland Fürst entgegnete, solche Vergleiche seien immer schwierig, denn die Parameter seien selten die gleichen.

Kantonsingenieur Peter Heiniger gab grob an, 75 Prozent der 170 Millionen Franken seien effektive Baukosten, der Rest setze sich aus übrigen Kosten für die Bahntechnik zusammen. Ein anderer Besucher wollte wissen, ob denn in den letzten Jahren nichts in den Tunnel investiert worden sei, weil nun auf einmal ein derartiger Investitionsbrocken anfalle? Stefan Bollinger, Leiter Netzentwicklung der BLS, gab an, dass die Strecke bis vor zehn Jahren durch den Regionalverkehr Mittelland betrieben wurde. Als BLS habe man nach der Übernahme notwendige Unterhaltsarbeiten ausgeführt, mit der Umsetzung eines behindertengerechten Umbaus aber noch nicht begonnen.

«300 Millionen auf 30 Jahre, wir bezahlen den Tunnel ja selber», kommentierte ein Publikumsvertreter den Umstand, dass sich der Kanton Solothurn mit jährlich rund 10 Millionen Franken am Bahninfrastrukturfonds des Bundes beteiligt, aus dem die Sanierung finanziert würde. «Dann sollte man doch auch etwas sagen können zu dieser ganzen Geschichte.» Darauf meinte Fürst, dass man sicher auch ein wenig in diese Richtung argumentieren könne. «Ellbogen raus!», forderte ein Besucher darauf, was Fürst versicherte, zu tun. «Sie sind schon ein wenig wund», so der Landammann.

«Ellbogen raus!»
«Eigentlich spricht nichts gegen eine Schliessung - gar nichts», befand ein anderer Besucher. «Jetzt sind unsere Politiker in Bern gefordert», richtete sich der Man unter anderem an Nationalrat und Präsident des Pro-Tunnel-Komitees Stefan Müller. Dieser gab an, das Ziel auch durch Allianzen mit anderen Kantonen wie Appenzell oder Graubünden erreichen zu wollen. «Man fürchtet ein Präjudiz, welches die auch dort vorhandenen Tunnelsanierungsvorhaben zunichtemachen könnte», so Müller.

Doch auch der Input der Bevölkerung sei gefragt, mahnte Landammann Fürst. «Je kräftiger diese Front daherkommt, desto mehr Eindruck macht sie.» Dann sei er zuversichtlich, dass man die Schliessung des Tunnels abwenden könne.

(az Solothurner Zeitung)