Raiffeisenbanken fusionieren rückwirkend

 

Der Zusammenschluss der Raiffeisenbank Dünnerntal mit Mümliswil-Ramiswil/Holderbank kommt zustande. Die Fusion findet rückwirkend zu Beginn dieses Jahres statt. Das nächste Ziel: eine weitere Fusion mit Laupersdorf.

 
Urs Amacher

Die kleinste Raiffeisenbank des Kantons verschwindet. An der Generalversammlung der Raiffeisenbank (RB) Dünnerntal in der Mehrzweckhalle in Welschenrohr hiessen die 394 anwesenden Stimmberechtigten mit 326 Ja zu 27 Nein die Fusion mit der RB Mümliswil-Ramiswil und Holderbank deutlich gut.

Damit wurde das erforderliche Quorum von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen problemlos erreicht. Bemerkenswert ist das, weil sich der Gemeinderat zuerst gegen eine Fusion ausgesprochen hatte.

Nach einem Gespräch mit der Bankleitung hatte der Rat den Zusammenschluss aber dann doch gutgeheissen. Die RB Dünnerntal umfasst die Gemeinden Gänsbrunnen, Welschenrohr, Herbetswil sowie Matzendorf und zählte Ende 2015 insgesamt 2267 Genossenschaftsmitglieder.

Allein zu klein
Die Verwaltungsratspräsidentin der RB Dünnerntal, Cornelia Dippon, legte einleitend die Vorteile des Zusammengehens mit der Nachbargenossenschaft dar. Die Fusion fügt sich in die Gesamtstrategie von Raiffeisen Schweiz ein; diese sieht vor, dass die lokalen Banken eine Bilanzsumme von 650 bis 680 Millionen Franken erreichen.

Mit der Bilanzsumme von 186 Millionen Franken erreicht die RB Dünnerntal diese Vorgabe nicht. Auch die regulatorischen Anforderungen der Finanzmarktaufsicht Finma, die eine Trennung von Administration und Beratung vorsieht, konnten mit dem bisherigen Personalbestand von zehn Mitarbeitenden (760 Stellenprozente) nicht erfüllt werden.

«Wir sind zu klein» so Dippon. Deshalb sollen zwei gesunde Banken zu einer starken Bank fusionieren. Es sind keine Geschäftsstellen-Schliessungen und kein Stellenabbau vorgesehen. Die Genossenschaft RB Mümliswil-Ramiswil hat dem Zusammenschluss bereits zugestimmt. Ziel ist immer noch eine weitere Fusion mit der RB Balsthal-Laupersdorf bis 2020.

Überleben die Dorfbanken?
In der offenen Diskussion äusserte denn auch ein Genossenschafter sein Bedauern über die gescheiterte Heirat mit der RB in Balsthal. Ein anderer Redner machte sich Sorgen wegen der Geschäftsstellen im Dorf. «Jetzt macht man uns Zusicherungen, aber was ist in fünf Jahren?», fragte er.

Ihm hielt Verwaltungsratspräsidentin Dippon entgegen, dass das Weiterbestehen einer Dorfbank nicht mit der Fusion zusammenhänge, sondern ausschlaggebend sei die Frequenz: «Wo die Schalter noch gebraucht werden, bleiben sie offen.» Ein weiterer Votant bemängelte, dass kein Einwohner von Welschenrohr mehr im Verwaltungsrat Einsitz nehme. Ansonsten warf die Debatte keine Wellen.

Ausbalancierte Gremien
Die Fusion tritt rückwirkend auf den 1. Januar 2016 in Kraft. Als Hauptsitz wird Mümliswil bestimmt. Die neue Raiffeisenbank wird unter dem Namen Dünnerntal-Guldental firmieren. Sie wird eine Bilanzsumme von 441 Mio. Franken erreichen und rund 4500 Mitglieder zählen.

Markus Rauber, der bisherige Bankleitungs-Vorsitzende von Mümliswil, wird Chef der fusionierten RB, zu seinem Stellvertreter wurde Thomas Hunziker, bisheriger Bankleitungs-Vorsitzender in Welschenrohr, ernannt.

Der neue Verwaltungsrat setzt sich zusammen aus Cornelia Dippon (Präsidentin), Sonja Kamenzin, Roland Studer, alle drei von der RB Dünnerntal, sowie Peter Ackermann (Vizepräsident), Urs Ackermann und Josef Bader, alle drei von der RB Mümliswil-Ramiswil.

Aus dem Dünnerntaler Verwaltungsrat wurden Heinz Tschumi, Landmaschinenmechaniker aus Herbetswil, Rolf Distel, Lehrer aus Welschenrohr, und Bernhard Meister, Notar aus Matzendorf, verabschiedet und für ihre langjährige Tätigkeit mit Blumen geehrt.

Ansonsten konnte Thomas Hunziker, Vorsitzender der Bankleitung RB Dünnerntal, einen erfreulichen Geschäftsbericht über das Jahr 2015 präsentieren. Die der Bank anvertrauten Kundengelder erreichen den Betrag von knapp 140 Millionen Franken.

Dem stehen Kreditvergabungen von 169 Millionen Franken gegenüber, 8 Millionen Franken mehr als im Vorjahr (plus 8 Prozent). Dabei machten die Hypotheken 159 Millionen Franken aus. Das Genossenschaftskapital wird mit 6 Prozent verzinst. Über alles gesehen resultiert ein Jahresgewinn von 158'751 Franken, knapp 1'000 Franken weniger als im Jahr zuvor. Der Nettogewinn wird dem Eigenkapital gutgeschrieben, das sich damit auf 6,096 Millionen Franken erhöht.

(az Solothurner Zeitung)