Welschenrohrs Gemeindepräsident kündigt Rücktritt an

 
Für Stefan Schneider ist das Amt des Gemeindepräsidenten eine grosse zeitliche Belastung. Bei den Wahlen im Mai 2017 will er nur im Notfall antreten.

 
Erwin von Arb

Die Parteipräsidenten von Welschenrohr müssen sich auf die Suche nach einem neuen Gemeindeoberhaupt machen. Dazu aufgerufen wurden sie von Gemeindepräsident Stefan Schneider, der jüngst bekannt gab, dass er sein Amt im kommenden Jahr niederlegen möchte.

Schneider begründet seinen Entscheid mit der grossen zeitlichen Belastung, die das Gemeindepräsidium mit sich bringe. Dabei ginge es nicht primär um die Führungsaufgaben, die er als Gemeindepräsident zu bewältigen habe. «Das macht mir auch nach acht Jahren nach wie vor grossen Spass», so der 56-Jährige.

Belastend seien aber die hohen Präsenzzeiten in Kommissionen, Ausschüssen oder bei Veranstaltungen, wo er als Repräsentant der Gemeinde auftrete. An zwei bis drei Abenden die Woche sei er nicht zu Hause bei seiner Familie. Das wolle er ändern.

Arbeitgeber ist Faktor
Dazu kämen die immer komplexer werdenden Aufgaben in seinem Beruf als Chef des Polizeipostens in Balsthal. Dort fehlt Schneider übrigens jeden Dienstagnachmittag, um in Welschenrohr seinen Verpflichtungen als Gemeindepräsident nachzukommen. «Das ist in der heutigen Berufswelt nicht mehr selbstverständlich», meint Schneider mit dem Verweis, dass er dafür jeweils einen halben Ferientag opfern müsse. «Damit geht auch Freizeit verloren», erwähnt der Gemeindepräsident.

Hier ortet Schneider denn auch eines der Probleme bezüglich seiner Nachfolge für das Gemeindepräsidium. Solche Arbeitgeber gebe es leider immer weniger. Dazu komme, dass es derzeit im Gemeinderat offenbar keine Person gebe, die sein Amt übernehmen möchte. Einige Jahre Erfahrung im Gemeinderat wären eine ideale Voraussetzung, um die Gemeinde kompetent führen zu können, bemerkt Schneider dazu. Deshalb habe er auch eingewilligt, falls bis zu den Wahlen 2017 kein geeigneter Nachfolger gefunden werde, noch einmal anzutreten. «Nach maximal zwei Jahren ist dann aber wirklich Schluss», stellt Schneider klar.

Dieses Votum hat auch FDP-Präsident Thomas Mägli zur Kenntnis genommen. Die FDP ist im neunköpfigen Gemeinderat mit fünf Sitzen die stärkste Partei und sie stellt mit Schneider auch den Gemeindepräsidenten. Alternativen kann Mägli noch keine präsentieren. Auf der Suche sei man aber schon seit einem halben Jahr. Die Parteileitung könne sich auch einen Quereinsteiger für das Gemeindepräsidium vorstellen. Eine solche Person sollte allerdings zuerst Erfahrungen im Gemeinderat sammeln, «und dafür bräuchten wir halt Stefan Schneider», so Mägli.

Erlebt die SP eine Wiedergeburt?
Nicht so stark in der Pflicht fühlt sich die im Rat mit zwei Sitzen vertretene CVP, wie Parteipräsident und Gemeinderat Beat Allemann auf Anfrage erklärt. Deshalb habe man sich mit der Suche nach einen Nachfolger für Stefan Schneider noch nicht wirklich auseinandergesetzt. Er selbst werde mit Sicherheit nicht mehr für das Gemeindepräsidium kandidieren, sagt Allemann im Rückblick auf seine deutliche Niederlage gegen Stefan Schneider im Jahr 2008. «Das war ein Fehler und aufgrund dieser Erfahrung würde ich auch niemandem von der CVP empfehlen, gegen einen Kandidaten der FDP anzutreten.» Im Gemeinderat sei von der Vormachtstellung der FDP hingegen nichts zu spüren. «Die Zusammenarbeit ist gut, im Vordergrund steht die Sachpolitik», sagt Allemann.

Wieder eine aktive Rolle in der Dorfpolitik spielen möchte die SP, die bei den letzten Wahlen keine Liste mehr auf die Beine stellen konnte und deshalb ihren Sitz im Rat verlor. «Ja, wir möchten wieder eine Liste stellen», sagt Parteisprecher Bruno Schindelholz. Darüber werde demnächst an einer Vorstandssitzung befunden. Einen Sitz im Gemeinderat hätte die SP mit einem Wähleranteil von rund 10 Prozent auf sicher. Nun hängt also alles davon ab, ob es die derzeit führungslose Partei schafft, bis 2017 eine Liste mit valablen Kandidaten vorzulegen. FDP und CVP hätten gegen eine SP-Vertretung im Gemeinderat nichts einzuwenden, zumal sie in den Kommissionen nie ganz von der Bildfläche verschwunden ist.

(az Solothurner Zeitung)