«Auf und davon - nach mir die Sintflut»

 
Die ehemalige Hammerschmiede in Aedermannsdorf an der Dünnern und das ehemalige Restaurant Cardinal mitten in Welschenrohr sind nach einem Konkurs in neuen Händen.

 
Alois Winiger

In beiden Gemeinden wäre man froh gewesen, hätte man endlich gewusst, wie es bei den Liegenschaften weitergeht, die Barbara und Michael Gantenbein als Konkursmasse hinterlassen haben: Die ehemalige Hammerschmiede in Aedermannsdorf an der Dünnern und das ehemalige Restaurant Cardinal mitten in Welschenrohr.

Doch die Ungewissheit bleibt, denn beide Häuser sind gemäss Amtsblatt von der Rumensee Management AG in Küsnacht ZH gekauft worden. Und von dort ist rein gar nichts zu irgendwelchen Plänen zu erfahren, Anfragen laufen ins Leere.

Nach Ungarn gezügelt
Als Besitzerin beider Liegenschaften war Barbara Gantenbein eingetragen; sie und ihr Mann Michael hatten damit grosse Pläne. Doch davon später. Einige Jahre nach dem Kauf, am 4. September 2013, wurde über Barbara Gantenbein der Konkurs verhängt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Paar laut Amtsblatt bereits eine neue Adresse in Ungarn.

Das Konkursamt schrieb das «Cardinal» für 90 000, die alte Hammerschmiede für 70 000 Franken zum Kauf aus. Für beide hätte ein Unternehmer aus dem Raum Grenchen beinahe den Zuschlag erhalten. «In Aedermannsdorf wäre ein Reithof möglich gewesen, in Welschenrohr eher Wohnungen», erklärt er. Doch kurz bevor die Eingabefrist für den Kauf abgelaufen war, sei ein zweiter Bieter aufgetaucht, «offenbar ein Bekannter von Gantenbein. Da habe ich mich zurückgezogen», berichtet der Unternehmer.

Ärger mit den Behörden
Michael und Barbara Gantenbein hatten viele Ideen und mehrere Projekte angekündigt: Die Wiederbelebung des Traumtheaters Golden Harlekin, ein Zoo mit seltenen Tieren, die Renovation des ehemaligen «Cardinal» und der «Hammerschmiede». Vieles blieb in den Anfängen stecken und es gab – konkret in Aedermannsdorf – immer wieder Ärger mit den Behörden. Diese wollten wiederholt mit einem Räumungsbefehl erwirken, dass die Umgebung des Hauses von Containern, Fahrzeugen und anderem Material befreit wird. Doch die Ware wurde lediglich verschoben.

Im März 2006 war es, als Barbara Schenkel (später Gantenbein) aus Rumisberg das ehemalige Restaurant Cardinal mit Saalbau in Welschenrohr erworben und verkündet hatte, sie werde es zusammen mit ihrem Partner Michael Gantenbein renovieren. Im Dorf war man glücklich darüber, denn das «Cardinal» stand seit 1982 leer und verwahrloste zusehends. Doch viel passierte dann nicht, zumindest nicht gegen aussen, abgesehen von der teilweise neu gestrichenen Fassade. Bekannt war, dass die neuen Inhaber gerne exotische Tiere haben und dass Michael Gantenbein Pläne hegte, in Niederbipp einen Zoo mit Papageien, Affen und Kragenbären einzurichten.

Erinnerung an Golden Harlekin
2007 kaufte Barbara Gantenbein das Wohnhaus mit Scheune an der Alten Landstrasse in Aedermannsdorf; die Wurzeln des Objektes am Ufer der Dünnern reichen mehrere hundert Jahre zurück in die Zeit, als in dieser Umgebung Eisen verarbeitet wurde, daher der Name Hammerschmiede. Der Plan war, das Traumtheater Golden Harlekin wieder aufleben zu lassen, das die Familie Schenkel 1993 in Solothurn ins Leben gerufen hatte. Barbara prägte damals die Shows als Artistin mit.

Der Konkurs eröffnet wurde über Barbara Gantenbein als Inhaberin des Einzelunternehmens «Zoo Siky Ranch Gantenbein», Crémines. Zwar sei sie nur für kurze Zeit Besitzerin der Anlage gewesen, wie Christoph Studer vom Konkursamt erklärt, «aber der Eintrag reichte, dass man sie belangen konnte». Die Siky Ranch ist unterdessen im Besitz von Christophe Keller; in seinem Zoo gibt es keine exotischen Tiere mehr wie bisher, sondern einheimische, unter anderem Raubvögel.

«Einfach auf und davon»
Die Gemeindepräsidenten Stefan Schneider, Welschenrohr, und Bruno Born, Aedermannsdorf, äussern sich beide sinngemäss gleich: Es sei eine ärgerliche Angelegenheit. Sich auf und davon machen und alles hinter sich lassen unter dem Motto «Nach mir die Sintflut».

(az Solothurner Zeitung)