«Schmutzli-Umzug»: Komitee organisiert ersten Krampuslauf der Schweiz

 
Das Narrenkomitee Schnapsloch feiert sein 70-jähriges Bestehen. Dazu gibts Schweizer Premiere vom Krampuslauf. Der Krampus ist eine Schreckgestalt, die in etwa Knecht Ruprecht oder unserem Schmutzli entspricht.

 
Walter Schmid

Am Freitag feiert das Welschenrohrer Narrenkomitee Schnapsloch sein 70-jähriges Bestehen. Dazu haben sich die Organisatoren etwas Besonderes einfallen lassen.

Am Samstagabend findet ein Krampuslauf statt, der erste überhaupt in der Schweiz. Der Krampus ist eine Schreckgestalt, die in Begleitung des Heiligen Nikolaus auftritt und entspricht in etwa dem Knecht Ruprecht oder unserem Schmutzli.

Krampus - eine Schreckgestalt
Das Brauchtums ist im Ostalpenraum, besonders im südlichen Bayern, in Österreich und im Südtirol sehr verbreitet. Während der Nikolaus die braven Kinder beschenkt, werden die unartigen vom Krampus bestraft. Meist treten die Krampusse in grösseren Gruppen auf, zusammen mit Nikolaus und Christkind.

Der Krampus ähnelt in seinem Aussehen dem Teufel. Er trägt ein Kleid aus Schaf- oder Ziegenfell, versteckt sich hinter einer schauerlichen Holzmaske und hat Hörner auf dem Kopf.

Dazu trägt er Glocken, Schellen, Rasseln mit sich, schwingt eine Rute oder Geisel und zieht mit viel Lärm durchs Dorf. Krampusläufe, oft mit über tausend Masken, haben in den erwähnten Regionen lange Tradition und locken Tausende von Besuchern an. Die Krampusumzüge finden in der Adventszeit, meist um den St. Niklaustag, statt.

Erstmals in der Schweiz
Auch die Welschenrohrer Narren zeigen sich gerne als «Schnapslochgeischter» in Holzmasken und Fellen. Die originellen, aber schauerlichen Masken aus dem Tirol und die haarigen Kostüme tragen sie in den Fasnachtstagen.

Sie nehmen auch gerne an Umzügen in der Schweiz und im Ausland teil. So entstand denn die Idee, die Tradition der Krampusläufe in die Schweiz zu bringen. Morgen Samstag, 14. November, ist es so weit.

Auf dem Dorfplatz versammeln sich die 18 Gruppen in ihren grausigen Holzmasken aus Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz.

Dann folgt der Zug durchs Dorf, begleitet von fünf Guggen, über die Hauptstrasse, die Balmbergstrasse bis auf den Schulhausplatz. Den Höhepunkt bilfdetein grosses Spektakel mit Feuershow, Geislechlöpfe, Guggenmusik.

So feiert am Wochenende das Welschenrohrer Narrenkomitee sein Jubiläum. Der Name «Schnapsloch» stammt von einer kleinen Höhle am Weg östlich des Grünholzes. Dort sollen französische Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg Schnapsflaschen nach dem Rasten liegen gelassen haben.

Die vier jungen Burschen Hans Roth, Louis Allemann, Edi und Josef Schmid haben sich 1945 am Ende des Zweiten Weltkrieges zusammengetan und das Narrenkomitee gegründet. Schon im Jahr darauf fand der erste Fasnachtsumzug statt, gestaltet mit bescheidenen Mitteln.

Es war doch eine willkommene Abwechslung nach den tristen Kriegsjahren. Erste Aufzeichnungen über das Vereinsleben stammen erst aus den Sechzigerjahren. In dieser Zeit wirkte Obernarr Mathé Fluri, er bekleidete das Amt 15 Jahre lang.

Tradition weiterführen
Trotz wechselvoller Geschichte und häufigem Wechsel gelang es den Narren immer wieder von Neuem, die weitherum bekannte Welschenrohrer Fasnacht aufrechtzuerhalten.

Veränderungen liessen sich nicht vermeiden, wie etwa der Wegfall des Fasnachtsmontags, die Abkehr von der Beizenfasnacht sowie der Verzicht auf die Chesslete. Dafür kamen die Muki-Vaki-Chesslete, d’Böögge Brätscher, die FC-Schnitzelbank, das ‹Bööggverbrennen› und schliesslich die Schnapslochgeischter dazu.

(az Solothurner Zeitung)