Maroder Weissenstein-Tunnel wird notsaniert - und ist bis 2020 befahrbar

 
Der Weissenstein-Tunnel wird notsaniert - und soll bis 2020 befahrbar bleiben. Bisher war immer davon die Rede, dass er nur bis 2016 betrieben werden dürfe. Mit der Sanierung für 18 Millionen Franken verschafft sich der Kanton Solothurn etwas Luft.

 
Sven Altermatt

Eine merkwürdige Situation ist das. Es gibt eine gute Nachricht. Und, wenn man so will, auch eine schlechte. Die gute Nachricht verkündet der Solothurner Kantonsingenieur Peter Heiniger: «Zurzeit ist es unwahrscheinlich, dass der Weissensteintunnel im Jahr 2016 geschlossen wird.» Der Amtsvorsteher bestätigt damit Informationen dieser Zeitung, wonach der Tunnel zumindest bis im Jahr 2020 offenbleiben wird. Nach einer Notsanierung soll das Bauwerk, so der Amtsjargon, «vorerst befahrbar gehalten werden». Das Bundesamt für Verkehr hat nun offenbar die dafür notwendigen Mittel zugesichert. 17,7 Millionen Franken kosten die Notmassnahmen gemäss Schätzungen.

In seinem heutigen Zustand gilt der Tunnel nur noch bis Ende 2016 als sicher. Wasser macht dem Gewölbe zu schaffen, und auch die Tunnelsohle ist in keinem guten Zustand. Die Behörden rechnen mit Kosten von 170 Millionen Franken, damit der Tunnel für weitere 50 Jahre betrieben werden kann. Die Investitionen sind hoch, zumal die Linie ihre Kosten in den vergangenen Jahren nur zu rund 20 Prozent deckte. Darum ist der Bund vor jedem grösseren Sanierungsprojekt verpflichtet, auch die Stilllegung einer Linie zu prüfen.

Gar nicht ernsthaft interessiert?
Mit der Notsanierung will sich der Kanton Solothurn jetzt vor allem Luft verschaffen. «Die Zeit bis 2020 werden und müssen wir nutzen», sagt Kantonsingenieur Heiniger. Gefragt sind Ansätze, die für mehr Passagiere sorgen.

Vorerst lautet der Plan aber: Der Bund soll für den Tunnelbetrieb jeweils für zwei Jahre eine Bewilligung erteilen. Dies aber nur dann, wenn keine neuen Schäden auftreten und eben nur bis zum Jahr 2020.

Das also ist die gute Nachricht. Doch beim Kampf um die Bahnlinie gibt niemand so schnell klein bei. «Ergebnisoffen» will das Bundesamt für Verkehr entscheiden. Was zählt, seien allein die Fakten. Trotzdem werden viele das Gefühl nicht los, dass der Bund gar nicht ernsthaft über den Fortbestand der Linie nachdenkt. Und die jüngste Stellungnahme des Bundesrats entschärft diese Annahme keineswegs. Die Behörden nehmen die Bahn in einer Angebotsstudie unter die Lupe. Massgebend dabei ist das Passagieraufkommen. Neben den Ergebnissen aus dem Jahr 2014 und geheimen Planwerten der SBB werden auch die Zahlen einfliessen, die an den Zugtüren von Sensoren automatisch erhoben werden.

Laufen sollen diese Messungen allerdings nur bis Ende 2015. Weitere separate Erhebungen würden indessen «keinen zusätzlichen Nutzen» bringen. Das schreibt der Bundesrat zu einer Anfrage von CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt.

Für den Herbetswiler Gemeindepräsidenten, der auch das Komitee «Weissensteintunnel erhalten» präsidiert, ist diese Antwort ein Affront: «Immer wieder hat man uns aufgefordert, für mehr Passagiere zu sorgen. Doch jetzt werden die Messungen schon in wenigen Monaten wieder eingestellt.» Ohnehin kaum aussagekräftig seien die Zahlen aus dem Jahr 2014: Die Bahnlinie zwischen Solothurn und Moutier ist ein wichtiger Zubringer der Weissenstein-Gondelbahn, die aber erst am 20. Dezember 2014 ihren Betrieb aufnahm. Seitdem ist das Passagieraufkommen zwischen Solothurn und der Talstation in Oberdorf um 150 Prozent gestiegen, heisst es beim Kanton.

Kanton ist federführend
Der Bund rechnet für die gesamte Bahnlinie mit einer zusätzlichen Nachfrage von 20 Prozent bis ins Jahr 2030. Die Prognose wiederum basiert auf Zahlen, die bis ins Jahr 2010 zurückreichen. «Alles wird möglichst negativ ausgelegt», sagt Müller-Altermatt.

Auch für Kantonsingenieur Peter Heiniger ist klar: «Werden nicht die neusten Werte berücksichtigt, ist das tatsächlich ein Affront.» Die Solothurner Behörden seien bei der Studie jedoch federführend, sagt Heiniger. «Wir sorgen dafür, dass stets die aktuellsten Zahlen einbezogen werden.»

Darüber hinaus soll in der Studie auch das touristische Potenzial der Linie aufgezeigt werden. Gerade hier ist vieles noch mit Unsicherheiten behaftet: Während das Passagieraufkommen südlich des Weissensteintunnels dank der Gondelbahn stark steigt, verzeichnet der Tunnel selbst bislang kaum zusätzliche Durchfahrten

(az Solothurner Zeitung)