Kanton bekam wegen räumlichem Leitbild sein Fett weg

 

Die Vorschläge des Kantons Solothurn zum räumlichen Leitbild passen dem Gemeinderat Welschenrohr nicht. Nun stellte sich das Raumplanungsamt einer Aussprache.

 

Sven Altermatt

Sie stiess vielen Gemeinderäten sauer auf, manchen sogar bitter: Die Stellungnahme des Kantons zum räumlichen Leitbild von Welschenrohr.
Gründe zur Aufregung gab es genug: Etwa wegen der Empfehlung, eine tiefere Einwohnerzahl ins Leitbild aufzunehmen. Oder wegen der Anregung, verdichteter zu bauen. Und dann gab es da noch den Plan, im hinteren Thal Biber anzusiedeln.
Dazu meinte Gemeindepräsident Stefan Schneider: «Ich will keinen Schmarren in unser Leitbild schreiben.» Bei einer Aussprache bekam das federführende Amt für Raumplanung – vertreten durch Corinne Stauffiger und Ruedi Bieri – nun sein Fett weg.

«Bodenlose Frechheit»
Eines vorweg: Das Thema Biber war schnell abgehakt. «Wir verstehen, dass Sie das nicht im Leitbild haben möchten», erklärte Kreisplanerin Corinne Stauffiger. Gegessen war die Sache allerdings noch nicht. Schliesslich wurden weitaus schlimmere Mängel ausgemacht.
Beat Allemann fragte sogar ein wenig provokativ: «Haben wir unsere Arbeit also für die Katz gemacht?» – «Natürlich nicht», entgegnete Ruedi Bieri. Die Stellungnahme bestehe zu grossen Teilen aus Empfehlungen, betonte der Leiter Nutzungsplanung. «Da hats nur wenig ‹Muss› drin.»
Auch damit wollte sich der Gemeinderat noch nicht zufrieden geben. Thomas Mägli bezeichnete es als «bodenlose Frechheit», dass der Kanton selbst in seinem optimistischsten Szenario für das Jahr 2035 nur mit knapp 1000 Einwohnern in Welschenrohr rechne  rund 100 weniger als heute.

Idylle für Einfamilienhäuser
Für Kopfschütteln sorgte auch eine andere Idee. Geht es nach dem Geschmack des Amts für Raumplanung, soll auch in Welschenrohr verdichtet gebaut werden. «Dabei hat man bei uns doch noch die Möglichkeit, Einfamilienhäuser in Naturnähe zu errichten», meinte Gemeindepräsident Schneider. Was die aus seiner Sicht pessimistischen Einwohnerprognosen angeht, sagte Schneider: «Der Gemeinderat will ein Ziel vor Augen haben und nicht Schwarzmalerei betreiben.»
Raumplaner Bieri räumte daraufhin ein, «dass wir da wohl ein wenig vorsichtiger hätten vorgehen müssen». Dann betonte er nochmals: «Die Entscheidung liegt letztlich bei Ihnen.» Allmählich setzte eine entspanntere Haltung ein: Der Kanton empfiehlt, der Gemeinderat nimmt das zur Kenntnis und entscheidet dann aber selbst. Nun liegt der Ball wieder im Feld der Arbeitsgruppe örtliches Leitbild.

Ja zu Beteiligung an Umfahrung
Auch Welschenrohr will sich an den Kosten der geplanten Umfahrung Klus beteiligen. Der Gemeinderat hat eine entsprechende Absichtserklärung einstimmig genehmigt. «Die Umfahrung ist für die Entwicklung des ganzen Thals wichtig», betonte Gemeindepräsident Schneider.
Balsthal muss als Standortgemeinde voraussichtlich einen zweistelligen Millionenbetrag übernehmen; die anderen acht Thaler Gemeinden wollen sich solidarisch zeigen und zusammen eine Million Franken beisteuern. Dienen die Einwohnerzahlen als Basis für den Verteilschlüssel, muss Welschenrohr voraussichtlich mit Kosten von 132'000 Franken rechnen.

(az Solothurner Zeitung)