Trotz Widerstand besorgter Eltern: Kindergarten muss definitiv umziehen

 

Die Interessensgemeinschaft besorgter Eltern forderte: Der Gemeinderat soll auf die Verlegung des Kindergartens vom Pfarrheim ins Alte Schulhaus verzichten. Der Gemeinderat hat nun beschlossen, dieser Forderung nicht nachzukommen.

 
Sven Altermatt

Petitionen und Postulate sind demokratische Instrumente, die auf kommunaler Ebene selten eingesetzt werden. Anders in Welschenrohr. Hier musste sich der Gemeinderat diese Woche gleich mit drei Vorstössen aus der Bevölkerung befassen.

Allen voran: zwei Postulate von Andreas Marti. Der FDP-Mann verfolgt das Geschehen im Gemeinderat mit Argusaugen: Er studiert und filetiert die Ratsprotokolle. Er meldet sich öffentlich zu Wort und reicht Wahlbeschwerden ein - mit Erfolg. Und von Zeit zu Zeit setzt sich Marti auf die Besucherstühle im Gemeinderatszimmer. So auch an diesem Abend.

Doch diesmal musste Marti über zwei Stunden ausharren, bis seine Postulate an die Reihe kamen. Denn zuerst gab es da noch ein anderes Problem, wo Volkes Seele kocht.

Die «IG Kindergarten» hat eine Petition mit 218 Unterschriften eingereicht - darunter 176 von Stimmberechtigten. Die Forderung der Interessengemeinschaft besorgter Eltern: Der Gemeinderat soll auf die Verlegung des Kindergartens vom Pfarreiheim ins Alte Schulhaus verzichten.

Nach der Verlegung müssten viele Kinder die Kantonsstrasse überqueren. Das sei gefährlich, findet die «IG Kindergarten». Ausserdem ist ihr nicht wohl dabei, wenn Kindergärtler und Schüler ihre Pause zusammen verbringen.

Kindergarten: Eltern einbeziehen
Eigentlich ist die Sache ja längst geritzt: Der Gemeinderat hat die Kindergarten-Verlegung im November 2013 einstimmig beschlossen. Einen Monat später genehmigte die Gemeindeversammlung einen Kredit von 270 000 Franken für die Renovation der Schulhäuser.

Darin enthalten: 50 000 Franken für die Einrichtung des Kindergartens im Alten Schulhaus. Doch vielen bereitet dieser Entscheid heute Bauchschmerzen. Gemeinderäte berichteten von einem veritablen Meinungsumschwung mancher Welschenrohrer. Der Rat dagegen hält an seinem Beschluss fest - mit 5 zu 3 Stimmen denkbar knapp und erst nach längerer Diskussion.

Bauch oder Kopf? Diese Frage beschäftigte vor allem Beat Allemann. Der Präsident der Finanzkommission hat die Verlegung aus Spargründen mitgetragen. Denn: Kommt der Kindergarten ins Schulhaus, kann sich Welschenrohr den Mietzins für die Räume im Pfarreiheim sparen.

Doch wie gross ist der Spareffekt, wenn die Kosten von Umzug und Sanierung ebenfalls berücksichtigt werden? «Ich plädiere für den bisherigen Standort, falls sich die Verlegung doch nicht als günstiger entpuppt», erklärte Allemann.

Aus Sicht der Kindergärtler sei der Kindergarten im Pfarreiheim nach wie vor besser aufgehoben. Und aus pädagogischer Sicht? Die Lehrerschaft unterstütze die Kindergarten-Verlegung, erklärte Stefan Allemann. Es sei längst gängige Lehrmeinung, dass Kindergarten und Primarschule an denselben Ort gehören.

Und auch Thomas Mägli findet: «Dank der Pausenaufsicht ist es kein Problem, wenn Kindergärtler und Primarschüler zusammen sind.» Da könne man den Lehrern vertrauen. Was aber ist mit dem Hindernis namens Kantonsstrasse? «Bereits heute müssen einige Kindergärtler die Strasse überqueren», erinnerte Mägli seine Kollegen. Allenfalls könne man ja nochmals über die Einrichtung eines Lotsendienstes diskutieren.

Und so hält der Gemeinderat definitiv an seinem Entscheid fest. Weitere Abklärungen oder ein Zurückkommen auf den Beschluss sind nicht geplant. Immerhin, ein Trostzückerchen hatte Stefan Schneider noch anzubieten: «Wir werden die Eltern bestimmt in die Planungen des Umzugs einbeziehen», versprach der Gemeindepräsident.

Warum fehlt Rotschi so oft?
Dann die Postulate von Andreas Marti. Da war zuerst die Forderung, sämtliche kommunalen Reglemente zu aktualisieren und auf der Gemeinde-Webseite aufzuschalten. Bislang sind gewisse Reglemente erst gar nicht vorhanden.

Andere fehlen, manche enthalten Mängel. Das musste auch der Gemeinderat einsehen. Er erklärte Martis Postulat erheblich, will dieses allerdings nicht dringlich behandeln. Diese Kröte wurde ohne grossen Widerstand geschluckt.

Das zweite Postulat versprach mehr Zündstoff. Andreas Marti wollte vom Gemeinderat wissen, wie sich die, so Marti, «horrende Abwesenheit» von FDP-Gemeinderat Andreas Rotschi erklären lässt.

Er habe die Ratsprotokolle der vergangenen Jahre unter die Lupe genommen, schreibt Marti in seinem Postulat. Gemäss seiner Auswertung fehlte Rotschi in über 40 Prozent der Sitzungen.

«Rotschi hat sich stets entschuldigt», verteidigte Gemeindepräsident Schneider den jungen Gemeinderat. «Er war krank und einige Mal beruflich im Ausland.» Thomas Mägli, Präsident von Rotschis Partei, sprach von einem «unerhörten Angriff». Wenig überraschend: Der Gemeinderat erklärte Martis zweites Postulat unerheblich. Andreas Rotschi, der Angegriffene, äusserte sich nicht zu den Vorwürfen.

(az Solothurner Zeitung)