Das hintere Thal wappnet sich für den Kampf um die Solothurn-Moutier-Bahn

 
Die Bahnlinie Solothurn-Moutier könnte stillgelegt werden. Die Schliessung der Linie soll aber unbedingt verhindert werden. Wird ein Protestverein dem Bund die Stirn bieten?

 
Sven Altermatt (Mitarbeit: Anton Strähl)

Fast zwei Wochen war es verdächtig ruhig, doch nun wächst im hinteren Thal die Wut. «Unsere Verbindung nach Solothurn darf nicht gekappt werden», sagt Ernst Lanz. Der frühere Gemeindepräsident von Gänsbrunnen und Alt-Kantonsrat wappnet sich für einen neuen Kampf. «Die Stilllegung der Bahnlinie Solothurn-Moutier wäre ein herber Verlust.»

Doch genau das könnte bald passieren, wie Recherchen dieser Zeitung zeigen. Aus Sicherheitsgründen muss der Weissensteintunnel, das Herzstück der Linie, bis spätestens 2016 saniert werden. 170 Millionen Franken soll die Erneuerung kosten, heisst es beim Bund (wir berichteten). Deshalb spielt man in Bern mit dem Gedanken, den Tunnel zu schliessen und die Bahn aufs Abstellgleis zu schieben.

Natürlich weiss der Politikfuchs aus Gänsbrunnen, dass sich mit mahnenden Worten allein wenig ausrichten lässt. «Der Widerstand muss gebündelt werden», sagt Lanz, dem die Gründung eines Protestvereins vorschwebt.

40 oder 170 Millionen?
Schon einmal hat es Lanz in den 1990er-Jahren mit dem Verein «Pro Solothurn-Moutier-Bahn» geschafft, die Schliessung der Bahnlinie abzuwenden. Doch den Verein gibt es nicht mehr, im Frühjahr 2007 wurde er aufgelöst. Der Fortbestand der Bahnlinie sei nicht bedroht, hatte Mathias Tromp lange genug jeden wissen lassen. Sieben Jahre später scheinen die Worte des damaligen BLS-Direktors bereits wieder Makulatur.

Mit den nüchternen Zahlenspielen des Bundes mag sich Lanz nicht anfreunden. Besonders die Aussage, die Tunnelsanierung koste 170 Millionen Franken, stösst bei ihm auf Misstrauen. Von einer solch hohen Summe sei nie die Rede gewesen, sagt der Landwirt. «Der Bund muss zuerst darlegen, wie sich die Kosten zusammensetzen.» Im zuständigen Bundesamt für Verkehr (BAV) will man sich jedoch nicht aus der Reserve locken lassen.

Sprecher Andreas Windlinger lässt immerhin ausrichten, dass die Kostenangaben auf Informationen des Bahnunternehmens BLS abgestützt seien. «Die 170 Millionen Franken entsprechen der Grössenordnung für eine Nutzungsdauer von 50 Jahren», erklärt Windlinger. Vom Gemunkel, ursprünglich seien lediglich 40 Millionen für die Tunnelsanierung veranschlagt worden, will das BAV nichts wissen. Ein solcher Betrag sei «unrealistisch und nicht genügend».

Sorgen in Welschenrohr
Auf offizieller Seite sorgen die Berner Planspiele ebenfalls für Unruhe. Der Welschenrohrer Gemeinderat hat sich in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause mit der Moutier-Bahn befasst. Soweit man Einfluss nehmen könne, sagt Gemeinderat Beat Allemann, «muss der Rat aktiv werden».

Dort der Bund, der erst seit vergangenem Februar für die Infrastruktur von Privatbahnen zuständig ist; hier die kleinen Gemeinden aus dem hinteren Thal. Der Zwist um die Bahnlinie nimmt sich aus wie der Zweikampf zwischen Zwerg und Riese - das mache die Einflussnahme umso schwieriger, weiss man in Welschenrohr. Rückendeckung erhält die Gemeinde vom kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau. «Wir werden uns für den Erhalt der heutigen Lösung einsetzen», erklärte Kantonsingenieur Peter Heiniger jüngst in dieser Zeitung. Unterstützung hin oder her: «Der Kanton könnte geneigt sein, die Schliessung des Tunnels hinzunehmen», sagt Gemeinderat Allemann. Die Schliessung, befürchtet er, sei den Behörden aus finanzieller Sicht ganz recht.

Rosmarie Heiniger, Gemeindepräsidentin von Gänsbrunnen und Kantonsrätin, hofft auf einen Schulterschluss mit den Berner Gemeinden, die an der Bahnstrecke liegen. Christophe Gagnebin ist dem Ruf von der anderen Seite des Röstigrabens bereits gefolgt. «Auch unsere Region muss für die Bahnlinie kämpfen», fordert der Abgeordnete des bernjurassischen Parlaments.

(az Solothurner Zeitung)