Welschenrohrer wollen, dass die Post im Dorf bleibt

 
Der Postfiliale in Welschenrohr droht die Schliessung. Die Einwohner halten aber an der Filiale fest. Sie wollen lieber kürzere Öffnungszeiten. Eine Agentur im Volg-Laden kommt nicht in Frage.

 
Alois Winiger

Einstimmig, bei einer Enthaltung, hat der Gemeinderat Welschenrohr sich dafür entschieden, dass die Postfiliale im Dorf erhalten bleiben soll, wenn nötig halt mit reduzierten Öffnungszeiten. Damit hat der Rat klar Stellung bezogen gegenüber der Post, welche die Filiale aufgrund des schwindenden Kundenvolumens schliessen und ihre Dienste mit einer Agentur im Volg-Laden weiterführen möchte (wir berichteten).

Allerdings hatte die Post als Variante noch angeboten, die Öffnungszeiten von Montag bis Freitag auf vier Stunden vormittags sowie zwei Stunden Samstags zu reduzieren. Doch darauf trat der Rat nicht ein. Er fordert, dass die Filiale täglich vor- und nachmittags (ausser Samstag) geöffnet ist. Für den Rat die äusserste Variante ist, wenn Montag bis Freitag jeweils nachmittags von 14 bis 18 Uhr und Samstag von 9 bis 11 Uhr geöffnet wäre.

Was die Bevölkerung meint
Mit seiner Haltung widerspiegelt der Gemeinderat die Meinung der Bevölkerung - genauer gesagt von jenem Teil davon, der sich dazu äussert. Wer nun glaubt, es seien in Welschenrohr nur hauptsächlich die Erwachsenen - besonders jene im fortgeschrittenen Alter -, die sich gegen die Schliessung der Postfiliale wehren, muss sich eines Besseren belehren lassen. Das stellte sich bei einem Besuch in Welschenrohr heraus. Ohne zu zögern und wie aus einem Mund sagten nämlich der 16-jährige Schüler Mike Schneeberger und der gleichaltrige Metzgerlehrling Andreas Roos: «Aber sicher soll die Post im Dorf bleiben.»

Und was wäre, wenn die Postgeschäfte im Volg-Laden abgewickelt würden? «Das ist nicht das Gleiche», antworten die beiden mit Überzeugung. «Man kann uns doch nicht einfach alles wegnehmen.» Es sei schon genug geschlossen worden in Welschenrohr. Nahtlos an diese Aussage schliessen sich jene eines Pensionierten an. «Wenn ich mir vorstelle, was es hier in Welschenrohr einmal alles gab», sagt er und zählt auf: Mehrere Metzgereien und Bäckereien, zwei Konsum, eine Käserei, «und das, abgesehen von den vielen Gewerbe- und Industriebetrieben, ist nicht alles.»

In Aedermannsdorf nicht dasselbe
Für den Pensionierten wie auch für weitere befragte Personen ist die Postagentur keine Variante. Natürlich wisse man davon, dass nicht weit von Welschenrohr, in Aedermannsdorf nämlich, eine Agentur schon seit mehreren Jahren funktioniert. Doch das sei nicht so leicht vergleichbar, sagt eine Frau und begründet es so: «Wenn einer aus Aedermannsdorf ein Postgeschäft erledigen will, das in der Agentur nicht geht, so ist es für ihn quasi ein Katzensprung bis zur Post nach Matzendorf. Aber für uns ist das eine beachtliche Distanz.»

Das Problem mit der Diskretion
Ferner wird die Diskretion angeführt, die bei einer Agentur nicht gleichermassen gegeben sei, wie bei einer Postfiliale. Heisst das, man traut dem Volg-Personal weniger Diskretion zu? So direkt dürfe man das nicht sagen, widerspricht eine Frau. «Aber man weiss doch, dass die Leute am Postschalter von auswärts kommen und so keine Rückschlüsse ziehen können.» Und wie war es denn damals, als noch ein Posthalter – nicht nur in Welschenrohr – über fast alles im Dorf Bescheid wusste?

Das seien eben überhaupt ganz andere Zeiten gewesen, lautete die Antwort. Was die Zukunft angeht, so würden «die dort in Bern» sowieso machen, was sie wollen. Das stimme nur zum Teil, meinte eine weitere Person. «Wenn alle Welschenrohrer die Post nutzen würden, so müssten wir hier nicht diskutieren.»

(az Solothurner Zeitung)