Das Abwasser wird aus Kostengründen doch nach Oensingen abgeführt

 
Die eigene Abwasserreinigungsanlage wird abgestellt, das Netz an die Anlage Falkenstein angeschlossen. Die ARA Welschenrohr gefährde erheblich die Dünnern. Eine Sanierung käme teurer zu stehen als der Anschluss an Falkenstein.

 
Walter Schmid

Eine längere Geschichte hat ein Ende gefunden – allerdings mit umgekehrtem Ausgang: Die Abwasser der Gemeinde Welschenrohr sollen in Zukunft nicht mehr gemäss ersten Plänen in der eigenen Anlage gereinigt werden, sondern nun doch in der ARA Falkenstein Oensingen.

Diesen Grundsatzentscheid hat der Gemeinderat einstimmig gefällt. Vorbehalten ist jedoch noch eine genauere Abklärung, was die Kapazität der Transportleitung bis zur bestehenden Leitung in Herbetswil angeht sowie die Zustimmung der Gemeindeversammlung, voraussichtlich im Dezember. Grund für die Kehrtwende ist der Preis.

Dünnern «erheblich» belastet
Ganz abgeschrieben ist die 1980 in Betrieb genommene Abwasserreinigungsanlage Welschenrohr zwar nicht, sie muss aber saniert werden, da sie nicht mehr alle gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen vermag. Denn die Dünnern, in die das gereinigte Wasser abfliesst, wird gemäss Untersuchungsbericht «erheblich belastet».

Der Gemeinderat machte sich an die Sanierungspläne, galt es doch, vom Geld aus dem Abwasserfonds zu profitieren. Im Oktober 2010 sprach sich der Gemeinderat klar für die Sanierung der eigenen Anlage aus. Denn damals ging man davon aus, dass die Gemeinde – Subventionen abgezogen – für die Sanierung 620 000 Franken zahlen müsste, für den Anschluss an Oensingen hingegen 1,7 Mio. Franken.

Die Sanierung sollte 2013 ausgeführt werden, der Antrag an die Gemeindeversammlung vom Dezember 2010 lag vor, doch das Traktandum wurde dann kurzfristig gestrichen. Denn das kantonale Amt für Umwelt (AfU) hatte sich eingeschaltet und sich für die Anschlusslösung in Oensingen eingesetzt, so wie es in einem Masterplan von 2008 vorgesehen ist.

Aber nicht nur von kantonaler Seite sah man es lieber, wenn sich Welschenrohr dem Zweckverband ARA Falkenstein anschliessen würde. Man zeigte zwar Verständnis in Bezug auf die Mehrkosten. Hingegen sei durch ein Nein aus Welschenrohr der Plan, die Wasserqualität der Dünnern weiter zu verbessern, gestorben.

Der Anschluss kommt günstiger
«Ja, wir haben die Pläne für die Sanierung sistiert, weil uns der Kanton neue Vorschläge gemacht hat», bestätigte damals Gemeindepräsident Stefan Schneider. «Wir lassen mit uns reden.» Die Gespräche haben offensichtlich stattgefunden. Und es wurden vertiefende Untersuchungen gemacht, die ein deutlich anderes Bild ergaben als 2010.

Zudem wurden die Kosten detailliert einander gegenübergestellt. Eine Sanierung käme auf total 1,5 Mio. Franken zu stehen, die Gemeinde hätte 1,14 Mio. zu bezahlen. Der Anschluss an Oensingen kommt zwar insgesamt teurer mit total 1,69 Mio., jedoch sind die Subventionen höher, daher müsste die Gemeinde nur noch 1,1 Mio. übernehmen, zudem wird mit tieferen Betriebskosten gerechnet.

Beim Zweckverband ARA Falkenstein ist die Gemeinde Welschenrohr willkommen. An der Delegiertenversammlung im April dieses Jahres wurde das Anschlussgesuch genehmigt. Das Ziel ist, dass das Abwasser von Welschenrohr ab 2016 zur Reinigung nach Oensingen fliesst. Den Rück- bzw. den Umbau der ARA Welschenrohr zu einem Ausgleichsbecken mit Pumpstation muss noch die Gemeinde bezahlen, dann geht die Anlage an den Zweckverband.

(az Solothurner Zeitung)