«Mein Traum wäre es, dereinst von der Kunst leben zu können»

 
Sarah Manini weckt mit ihren Werken Aufmerksamkeit in der Nachwuchsszene. Das Talent kommt nicht von irgendwo: Ihr Grossvater war im Thal für sein malerisches Können bekannt. Er brachte sie mit dem Malen in Berührung.

 
Rebekka Balzarini

Das Talent wurde Sarah Manini in die Wiege gelegt: Schon ihr Grossvater war im Thal für sein malerisches Können bekannt, eines seiner Bilder schmückt bis heute die Fassade des Restaurants Hirschen in Welschenrohr. Er war es auch, der sie mit dem Malen in Berührung brachte.

«Früher habe ich mit meinem Grossvater alles Mögliche gezeichnet. Eigentlich musste es fast so kommen, dass es mich später in eine gestalterische Richtung zieht», sagt die 22-Jährige.

Tierärztin als erstes Berufsziel
Dabei war das in ihrer Schulzeit gar nicht so klar. «An der Kantonsschule habe ich nicht etwa das musische, sondern das naturwissenschaftliche Profil besucht, weil ich Tierärztin werden wollte. Dieses Ziel habe ich dann aber schnell wieder verworfen.» Dass sie sich voll und ganz der Kunst widmen will, wurde ihr in einem Zwischenjahr nach der Matura klar.

«In diesem Jahr hatte ich plötzlich wieder viel mehr Zeit. Ich konnte mich der Kunst zu widmen. Dabei merkte ich, dass ich nichts Theoretisches machen will.» Also besuchte sie den gestalterischen Vorkurs in Aarau, um sich auf eine schweizerische Hochschule vorzubereiten.

Heute studiert sie in Aarau Industrial Design, wofür sie das Thal verliess und nach Olten zog. «Während des Vorkurses habe ich schliesslich auch meinen persönlichen Stil gefunden. In einem Kurs für Selbstporträts sind mir zum ersten Mal die verschiedenen Farbtöne aufgefallen, welche die Haut hat.»

An Designmesse Basel dabei
Etwa zur gleichen Zeit zeigte ihr eine Freundin Bilder des österreichischen Künstlers Voka, dessen farbige und sehr grosse Bilder sie sehr beeindruckten. «Was er macht inspiriert mich sehr, und ich versuchte, das Spezielle seiner Bilder auf meine Art auszudrücken.» Daraus entstanden ihre Abschlussarbeit und weitere Bilder: farbige Porträts, die den Betrachter in ihren Bann ziehen.

Der spezielle Stil blieb in der Kunstszene nicht unbeachtet. So gewann sie an der Designmesse Basel einen Wettbewerb, wo sie einen Designerstuhl mit einem ihrer Porträts bemalen konnte. An der JugendArt in Olten setzte sie sich gegen zahlreiche Mitbewerber durch.

Dann folgten Einladungen. Eine von der Firma Alpiq in Olten und eine von der «KUNSTpause», einer für Nachwuchskünstler bedeutenden Ausstellung in Zug. Der Erfolg brachte auch logistische Probleme: «Ich weiss noch nicht, wie ich die Bilder nach Zug bringen soll. Dummerweise passen die Bilder wegen ein paar Zentimeter nicht ins Auto».

«Meine Kunst überrascht»
Die Kunst gibt ihr auch viel zurück. «Kunst hilft mir dabei, meine Emotionen zu verarbeiten. Dadurch, dass ich grosse Bilder mit einem sehr breiten Pinsel male, kommt der ganze Körper zum Einsatz.»

Sarah Manini konzentriert sich jedoch nicht nur aufs Malen. «Im Studium arbeiten wir mit verschiedenen Materialien und Techniken. Das finde ich wichtig, denn dadurch kommt man in neue Bereiche, welche man dann mit der eigenen Kunst verbinden kann», erklärt sie.

Genau diese Fähigkeit, die eigene Kunst mit etwas anderem zu verknüpfen, verhalf ihr zum Erfolg beim erwähnten Wettbewerb der Designmesse. Ihren doch recht schnellen Erfolg sieht sie unter anderem darin, dass ihre Bilder etwas Überraschendes bringen, vor allem durch die grossen Formate und die Farbigkeit. Dies, während sich andere mehr auf Fotografie oder Bildbearbeitung konzentrieren.

Am liebsten ein Designbüro
Natürlich wünscht sich Sarah Manini, dass dies nur der Anfang ist. «Mein Traum wäre es natürlich, von der Kunst leben zu können. Am liebsten hätte ich mein eigenes Designbüro, wo ich meine eigenen Bilder und zum Beispiel meine selbst designten Möbel präsentieren kann».

Das Leben für junge Künstler ist nicht immer einfach, der Weg vom Nachwuchstalent zum Künstler ist weit. Wichtig findet es Sarah Manini, dass man klar Position bezieht: «Man soll klar von sich aus sagen, dass man Künstlerin oder Künstler ist. Das macht bereits viel aus. Nicht: Ich male ein bisschen. Nein. Ich bin Künstlerin».

Problematisch sei es, die Bilder zu verkaufen, wenn man noch nicht bekannt ist. Der Wert von Kunst werde von den Leuten auch oft unterschätzt. «Man hat einen Zeitaufwand von mehreren Tagen, Materialkosten, und schliesslich möchte man auch noch einen gewissen Gewinn machen, um die künstlerische Tätigkeit zu finanzieren».

«Es geht irgendwie»
Heute arbeitet sie neben dem Studium und in den Semesterferien. Und sie wird von ihren Eltern unterstützt, um über die Runden zu kommen. «Mit so wenig auszukommen ist nicht immer leicht, aber es geht irgendwie», meint sie selbstbewusst.

Bestimmt wäre ihr Grossvater heute stolz, zu sehen, wie sich seine Enkelin langsam aber sicher einen Platz in der Nachwuchskunstszene sichert.

(Oltner Tagblatt)