In der Gemeinde verhindert ein pensionierter Postautoführer stille Wahlen

 
Wäre es nach den amtierenden Gemeinderäten der Einwohnergemeinde gegangen, so würden am kommenden 9. Juni gar keine Wahlen stattfinden. Ein einzelner Bürger verhinderte es.

 
Alois Winiger

Erst dieser Tage ist die Anmeldefrist für die Gemeinderatskandidatur in Welschenrohr abgelaufen. Doch die Parteien hatten sich bereits im Dezember letzten Jahres erste Gedanken dazu gemacht. Die FDP meldete sich als erste und nominierte ihre bisherigen Räte. Der Entscheid, so folgerten die Parteiverantwortlichen, liege somit bei den anderen Parteien, ob es einen Wahlkampf oder stille Wahlen geben soll. Bald darauf meldeten die CVP und die SVP, dass alle ihre Räte ebenfalls ihre Arbeit weiterführen und daher wieder antreten wollen. Stillen Wahlen wäre also nichts im Weg gestanden.

«Man hat mich dazu aufgefordert»
Doch einer stellte sich in den Weg: René Enz, pensionierter Postwagenführer, im Teilpensum noch berufstätig, hat fristgerecht seine Kandidatur mit eigener Liste «Freie Wähler Welschenrohr» seine Kandidatur eingereicht. Es sei seine Absicht gewesen, stille Wahlen zu verhindern, erklärt der 66-Jährige, «bei Wahlen sei ein demokratisches Auswahlverfahren nötig.» Er fühle sich getragen von einer grossen Anzahl von Bürgern und man habe ihn aufgefordert, wieder zu kandidieren. Wieder deshalb, weil er von 2005 bis 2009 Ersatzmitglied der SVP im Gemeinderat war. So lud denn René Enz zur Nominationsversammlung ein, zu der vier Personen erschienen waren, drei davon waren stimmberechtigt.

Enz erläuterte, wofür er sich gemäss seiner politischen Agenda unter anderem einsetzen würde: Für die Fusion der Einwohner- und Bürgergemeinde Welschenrohr sowie aller Gemeinden von Gänsbrunnen bis Balsthal; für eine Optimierung der Gemeindeverwaltung; für einen Rad- und Wanderweg der Dünnern entlang nach Gänsbrunnen; für eine aktive, transparente Wirtschaftsförderung, um Steuern zu generieren; für den Anschluss an die ARA Balsthal (diese steht aber in Oensingen, Anm. der Red.) und für Alterswohnungen in einer der bestehenden Liegenschaften im Dorf.

Nervosität machte sich breit
Nach bekannt werden der Kandidatur Enz machte sich bei Räten und Parteien eine gewisse Nervosität bemerkbar. Was tun? Eine allumfassenden Listenverbindung wäre eine Idee, doch diese musste aus wahljuristischen Gründen begraben werden. Für einen Auftritt, der die Gemeinsamkeit von CVP, FDP und SVP demonstriert, hat es aber trotzdem gereicht. Dies passe zum Klima, das im aktuellen Gemeinderat herrsche und dazu, wie die Zusammenarbeit funktioniere, das bekräftigen die Parteipräsidenten Beat Allemann (CVP), Thomas Mägli (FDP) und Jürg Uebelhart (SVP) unisono. Stures Parteipolitisieren sei vorbei, die Sache müsse im Zentrum stehen.

Einer regt sich stellvertretend auf
Ein Leserbriefschreiber hingegen regte sich auf. Gegen eine freie Liste würde nichts sprechen, teilte er mit. Aber für ihn sei klar, dass ein ehemaliger FDP-Politiker hinter der Aktion steckt. Dieser versuche, gutgläubige Stimmbürger für seine Interessen zu manipulieren, um damit den amtierenden Gemeinderäten zu schaden.

In der Allgemeinheit wird die Kandidatur der Freien Wähler mit mehr oder weniger Schulterzucken zur Kenntnis genommen.

(az Solothurner Zeitung)