Es droht die Schliessung der Poststelle

 
Es ist nicht das erste Mal, dass der Gemeinderat und eine Vertretung der Post ihre Argumente für oder gegen eine Schliessung der Poststelle Welschenrohr austauschten. Auch nach dem jüngsten eineinhalbstündigen Meinungsaustausch zeichnet sich noch keine konkrete gemeinsame Lösung ab. Klarer geworden ist jedoch, dass es nur noch um eine Poststelle mit reduzierten Öffnungszeiten (4 Stunden am Morgen) oder um eine Agenturlösung im Volg-Laden gehen kann. Und der Gemeinderat ist sich bewusst, dass die Post letztlich am längeren Hebel sitzt.


Anton Strähl

Dienstleistungen werden weniger beansprucht
Urs Krattiger von der Post legte dar, dass in der Periode vom 2000 – 2011 der Rückgang bei den Briefen 49 Prozent, bei den Paketen 43 Prozent und bei den Einzahlungen 27 Prozent ausmachte. In der Zeitperiode 2007 – 2011 betrugen die Rückgänge bei den Einzahlungen 23 Prozent, Sendungen abholen 20 Prozent, Briefe 0 Prozent und Pakete 1 Prozent. Für die heutige Beanspruchung der Poststelle seien die Öffnungszeiten viel zu lang. Die Post sieht die Prioritäten wie folgt: 1. Agentur im Volg-Laden mit wöchentlichen Öffnungszeiten von 67½ Stunden, 2. Poststelle mit reduzierten Öffnungszeiten (4 Stunden am Morgen oder 22 Stunden in der Woche). In der Schweiz gebe es heute schon 500 Postagenturen, welche eine Zustimmung von 75 Prozent erhalten.
Herr Krummenacher von der Volg, zuständig für die Agenturlösungen, berichtet, dass der Umsatz des Ladens die Erwartungen bisher übertroffen habe. Mit einer Postagentur könne man neue Kunden akquirieren. Wenn die Volg die Möglichkeit habe, eine Postagentur zu integrieren, so sei das immer ein Plus. Mit diesen Agenturen möchten Volg die Läden auf lange Sicht erhalten. In den Postagenturen können Brief- und Paketsendungen aufgegeben werden, Abholen von Paketen gegen Unterschrift, Abheben von Geld. Einzahlungen können nur mit der Post- oder Kreditkarte und nicht in bar gemacht werden. Auch nicht abholbar sind Gerichtsurkunden, Nachnahmesendungen usw.)

Eine Schliessung der Poststelle bedeutet ein Abbau im Dorf
Gemeindepräsident Stephan Schneider trifft die mögliche Schliessung recht hart, nachdem die Gemeinde in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen habe, um den industriellen Sektor und somit Arbeitsplätze wieder neu zu beleben. Ein anderes Ratsmitglied vertritt die Meinung, dass der Volg-Laden nicht in der Lage sei, die zusätzlichen Aufgaben zu verarbeiten. Der Weg zur nächsten Poststelle in Matzendorf sei einfach zu weit. Urs Krattiger erwiderte, dass die Post die Vorgabe habe, dass die nächste Poststelle in 20 Minuten mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar sein müsse (Matzendorf 14 Minuten). Und dort, wo der Hausservice funktioniert, dürfen es 30 Minuten sein. Auf eine Frage, ob der Einbau einer Agentur zu einer Reduktion des Angebots im Laden führe, erklärte Herr Krumenacker, das dies nicht der Fall sein werde. Was die Diskretion der Postverrichtungen anbelangt, so sollte das zu keinen Problemen führen. Die Mitarbeitenden in den Agenturen werden dafür speziell geschult. Die Stellen würden aufgrund einer zunehmenden Belastung aufgestockt. Man wolle ja in Welschenrohr bleiben. Wenn der Rat auf eine Poststelle mit reduzierten Öffnungszeiten dränge, werde die Post einfach in ein oder zwei Jahren wieder vorstellig. Und dann dürfte es nur noch eine Lösung geben. Beat Allemann findet, dass die Industrie vernachlässigt werde. Wenn er in den Volg-Laden für eine Postaufgabe gehen müsse, müsse er u.U. dort noch lange warten. Krattiger entgegnete, dass die Firmen alles in der Agentur aufgeben können und Bernhard Büchler ergänzte, dass für die KMU die Pakete und Briefe abgeholt würden. Beat Allemann frägt sich, warum er für die schweizerische Post mehr bezahlen müsse und dann baue die gleiche Post Dienstleistungen ab, was zu negativen Schlagzeilen führe. Zudem sei die Post gegenüber der Konkurrenz in Sachen Gebühren nicht konkurrenzfähig. In der Diskussion durfte natürlich auch der Hinweis auf den Postgewinn von 900 Mio Franken nicht fehlen, was den Abbau von Dienstleistungen noch unverständlicher macht. Dazu ist festzuhalten, dass die Post keine Quersubventionieren vornehmen darf.

Entscheid fällt im Frühling
Die Vertreter der Post bezeichnen die Agenturlösung nach wie vor als die wirtschaftlichste Lösung. Es würden aber nach wie vor zwei Lösungen zur Verfügung stehen: a) Poststelle mit reduzierter Öffnungszeiten und b) Postagentur im Volg-Laden mit bedeutend längerer Öffnungszeiten. Der Gemeinderat wird an seiner nächsten Sitzung seine Haltung gegenüber der Post festlegen und ihr diese schriftlich zukommen lassen. Die Post wird die Argumente der Gemeinde beim Entscheid berücksichtigen und ihn der Gemeinde mitteilen. Sollte sich die Post entgegen dem Wunsch der Gemeinde für eine Postagentur aussprechen, hätte die Gemeinde die Möglichkeit, Beschwerde bei der Postcom einzureichen. Diese würde dann den Fall prüfen und eine Empfehlung abgeben, an die die Post allerdings nicht gebunden ist. So wäre es nicht verwunderlich, wenn Welschenrohr über kurz oder lang eine Postagentur im Volg-Laden erhalten würde.

Neue Erschliessung für den Hof Bärenacker
Im Rahmen der Güterzusammenlegung ist für den Hof Bärenacker nördlich des Dorfes eine neue Zufahrtsstrasse vorgesehen. Diese würde vom Hof ganz ob in den Rötlenweg und dann in die Tannmattstrasse führen. Mit einer solchen Zufuhr ist der Landwirt nicht mehr gezwungen, mit seinen Geräten über die Kirchstrasse/Scheidweg durch das Dorf auf sein Landwirtschaftsland zu fahren. Das bietet für die Gemeinde sicher eine Entlastung. Im Weitern beinhaltet die Erschliessung den Anschluss an das Stromnetz der AEK und den Überlauf sowie die Regenwasserzisterne. Die Flurgenossenschaft gelangt nun mit dem Gesuch an den Gemeinderat, dass dieser die restliche Finanzierung von 45'000 Franken übernehme. Im Rat war man nicht a priori gegen einen Beitrag an die Restfinanzierung. Bevor der Rat einen Entscheid trifft, will er das Projekt genau studieren. Anschliessend soll mit dem Landwirt nochmals verhandelt werden.

Nachtragskredit für den Thalhof
Vor einiger Zeit hat der Gemeinderat einen Kredit von rund 20'000 Franken bewilligt, um bei der Theke im Tea Room notwendige Sanierungsarbeiten durchzuführen. Im Verlaufe dieser Arbeiten hat sich gezeigt, dass noch weitere von aussen nicht sichtbare Mängel vorhanden waren. Die Nachtragskosten belaufen sich auf 24'000 Franken. Da diese Kosten nicht vorhersehbar waren, hat der Rat den Zusatzkredit einstimmig gutgeheissen.

(az Solothurner Zeitung, Oltner Tagblatt)