Thaler Firma trotzt den Grosskonzernen

 
Made im Kanton Solothurn Bimbosan AG in Welschenrohr ist im Markt für Säuglingsmilch etabliert

Franz Schaible

Wenn heute die Solothurner Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler mit einer Delegation der Wirtschaftsförderung in Welschenrohr auf dem Firmenbesuch ist, trifft sie auf einen „kleinen Riesen“. Denn die besuchte Bimbosan AG mit lediglich 19 Angestellten kann sich im hart umkämpften Markt für Säuglingsnahrung behaupten. Gegenspieler sind Grosskonzerne wie Nestlé oder Milupa. Mehr noch. Im Vertrieb über den Fachhandel - Drogerien, Apotheken und Reformhäuser - ist der Thaler Familienbetrieb die „unbestrittene Nummer 1 in der Schweiz“, sagt Anton Hosang. Der 83-jährige Patron hat zwar sein Lebenswerk auf Anfang Jahr an die Zuger Beteiligungsgesellschaft Pezula Holding AG verkauft, ist aber als Verwaltungspräsident immer noch fast täglich im Betrieb anzutreffen.

Swiss Made als Erfolgsfaktor
Die Gründe für die starke Marktstellung im Bereich Baby- und Kindernahrung seien vielfältig. „Wir betonen unsere Swissness. Die für unsere Produkte verarbeitete Milch und andere Zutaten stammen aus der Schweiz“, sagt Hosang. Weitere Trümpfe seien die vielen Bio-Produkte sowie die umweltfreundlichen Nachfüllbeutel. Ferner erwähnt er die Vermarktung. Dank regelmässigen Besuchen des Fachhandels sei eine sehr enge Beziehung zur Kundschaft entstanden. Und über die Jahrzehnte – die Wurzeln der Marke Bimbosan gehen auf 1930 zurück – haben man sich ein sehr gutes Image in der Bevölkerung aufbauen können. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Beratung gerichtet. „Täglich erhalten wir gegen 50 Telefonanrufe, in denen sich Mütter beraten lassen wollen.“ Zusätzlich rühmt Hosang das „einzigartige Baukastensystem“. Dies erlaube es, für jedes Kind je nach Alter, Konstitution oder Veranlagung die geeignete Nahrung zusammenzustellen.

Keine Verlagerung ins Ausland
Daran wollen die neuen Besitzer nichts grundlegend ändern, erklärt Daniel Bärlocher, von Pezula neu eingesetzter Bimbosan-Geschäftsführer. Das Swiss-Made-Label sei entscheidend für den Erfolg der Marke. Deshalb sei etwa eine Produktionsverlagerung ins Ausland kein Thema. „Die neuen Besitzer haben die gesamte Firma mit Produktion, Mitarbeitenden, Marke und Liegenschaften übernommen.“ Das sei durchaus als ein Bekenntnis zum Standort zu verstehen. Pezula sei eine KMU-Holding und investiere gezielt in „gesunde Schweizer Firmen mit Potenzial“.

China, ein Markt mit Risiken
Der 40-jährige Bärlocher - er war zuvor Marketingleiter für Vitaminprodukte bei Bayer (Schweiz) AG - will aber den traditionsreichen Familienbetrieb neu beflügeln. Das heisst, das vorhandene Potenzial noch besser nutzen. Dabei denkt er an ausländische Märkte. Überraschend nennt Bärlocher als Zielmarkt China. Sind damit für eine Kleinfirma nicht unkalkulierbare Risiken verbunden? Er will das nicht abstreiten und er wisse, dass mit einer Expansion nach China ein immenser Aufwand verbunden sei. Aber die Schweiz als Ganzes geniesse dort einen exzellenten Ruf und es gebe einige ernsthafte chinesische Interessenten, die Produkte zu importieren und dort zu vertreiben. Noch diesen Monat fliege er nach China, um entsprechende Verhandlungsgespräche mit möglichen Partnern zu führen. Einen weiteren Grund für das Interesse nennt Anton Hosang: „In China gab es in den vergangenen Jahren einige Probleme mit verunreinigter einheimischer Säuglingsmilch. Das eröffnet Chancen für Schweizer Säuglingsmilch“.

Einstieg bei Coop gelungen
Ebenso hat Bimbosan im laufenden Jahr die Vertriebskanäle erweitert. Die Zahl der Drogerien und Apotheken nehme stetig ab und damit sinke die Zahl der Verkaufspunkte, erläutert Bärlocher. Deshalb habe man Ersatz gesucht - und gefunden. „Einen Teil unseres Sortimentes verkaufen wir seit kurzem auch in den 154 grössten Coop-Verkaufsstellen.“ Als positives Zeichen für eine gute Entwicklung dieses Geschäftes bewertet er die Tatsache, dass der Grossverteiler an Bimbosan gelangt sei und nicht umgekehrt. Trotz Einstieg bei Coop bleibe der Fachhandel der mit Abstand wichtigste Absatzkanal.
Den Geschäftsverlauf bezeichnet Bärlocher als gut, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Den Umsatz umschreibt er mit „tiefen zweistelligen Millionenbetrag“, die abgesetzte Menge beziffert er auf rund 400 Tonnen pro Jahr. Nebst den Säuglings- und Kindernährmitteln vermarktet Bimbosan das Stärkungsmittel Heliomalt sowie seit 2010 auch Molkenprodukte der Marke Yuma.

Bimbosan AG: Vom 5-Korn-Kindermehl zur Säuglingsmilch
Die Wurzeln der Bimbosan AG - abgeleitet aus dem italienischen Bimbo (Kind) und Sano (gesund) - reichen bis ins Jahr 1930 zurück. Damals startete die Firma Zbinden-Fischler & Co. in Bern mit der Herstellung eines 5-Korn-Kindermehls. Bald wurde nach Ostermundigen gezügelt, die Bimbosan AG gegründet und ab 1956 wurde das Kindermehl ohne Hafer unter dem Namen Bimbosan lanciert. In den 60er-Jahren versetzten die Antibabypille respektive der starke Geburtenrückgang sowie anrührfertige Instant-Produkte der Firma fast den Todesstoss. Anton Hosang, damals Verkaufsleiter bei Chocolat Grison (Lindt&Sprüngli), kam in Kontakt mit den Besitzern und kaufte ihnen den zum Miniformat geschrumpften Betrieb ab. Hosang entwickelte umgehend ein Instant-5-Kornprodukt und verbreiterte die Produktionspalette, etwa um Reis- und Hirse-Schleim. Wegen Platzprobleme erstellte Hosang 1983 in Welschenrohr mithilfe der Wirtschaftsförderung einen Neubau (die Gemeinde stellte das Land gratis zur Verfügung) und erweiterte den Betrieb stetig. Der heute 83-jährige Patron entwickelte zusammen mit seiner Tochter Christine Hosang weitere neue Produkte. Einen grossen Schritt vorwärts machte der Betrieb mit der Lancierung von Säuglingsmilch, mit der Bimbosan zur Marktleaderin im Bereich Säuglingsanfangsnahrung aufstieg. Hergestellt wird die Milch in der Milchpulverfabrik Hochdorf Nutrifood AG, nach eigenen Rezepten. Entwickelt, abgepackt, vermarktet und vertrieben werden die Produkte vom Thal aus. Basis ist die Kuhmilch, die so verarbeitet wird, dass sie möglichst nahe ans Vorbild der Muttermilch herankommt. Hosang: „Muttermilch ist zweifellos das Beste für das Baby, aber es gibt Mütter, die nicht stillen dürfen oder wollen.“ Genau für diese Fälle biete Bimbosan Säuglingsmilch an. Mit Erfolg. Bis heute konnte Bimbosan die Marktstellung halten. Auf Anfang 2012 verkaufte Hosang den Betrieb an die Zuger Beteiligungsfirma Pezula Holding.

(Solothurner Zeitung)